Begegnung auf dem Parkplatz

Wenn die Welt plötzlich fremd wird

Heute auf dem Supermarktparkplatz: Während wir unsere Einkäufe einluden, hörte ich ein leises Rufen. Ich schaute mich um, konnte aber niemanden entdecken. Plötzlich wurden die Rufe lauter: „Heinrich! Heinrich!“

Dann sah ich sie: Eine kleine, ältere Dame, die völlig verzweifelt und voller Angst neben einem großen Auto stand. Mein Mann bemerkte sofort, dass ich helfen wollte, und sagte nur kurz: „Geh hin.“

Ich trat zu ihr. Um sie zu beruhigen, streckte ich ihr meine Hand entgegen. Sie legte ihre Hand in meine und flüsterte: „Ich weiß nicht, wo der Heinrich ist.“ Aus dem Auto klang leise Musik…

Ein Moment der Verwirrung

Kurze Zeit später kam ein Mann auf uns zu. Die Dame schüttelte den Kopf: „Das ist nicht der Heinrich.“ Erst als er näher kam und sie ansprach, erkannte sie ihn. Dem Ehemann war die Situation sichtlich unangenehm. Er schimpfte ein wenig mit ihr – er habe ihr doch gesagt, sie solle im Auto warten. Sie wollte Erdbeeren essen, mochte aber nicht mit ins Geschäft gehen.

Dann sah er mich an und sagte leise: „Sie hat Alzheimer.“

In seinen Augen sah man die Erschöpfung. Er erzählte, wie schwer es sei, 24 Stunden am Tag parat zu stehen und sich ständig auf neue, unvorhersehbare Situationen einzustellen. Es ist ein Vollzeit-Job ohne Feierabend. Ich reichte ihm eine Visitenkarte von „Gemeinsam Stark“ und bot ihm an, sich jederzeit zu melden, wenn er Redebedarf habe.


Warum ich dieses Erlebnis teile?

Diese Begegnung zeigt einmal mehr: Pflegende Angehörige sind oft am Ende ihrer Kräfte. Viele wissen nicht, wo sie Hilfe finden – oder sie trauen sich nicht, danach zu fragen.

  • Das Tabu brechen: Demenz wird in unserer Gesellschaft oft noch schamhaft verschwiegen.
  • Männer in der Pflege: Besonders Ehemänner und Söhne holen sich selten Unterstützung. Von unseren 40 Teilnehmenden bei „Gemeinsam Stark“ sind aktuell nur vier männlich. Oft herrscht noch das alte Rollenbild vor: „Ich habe immer für meine Familie gesorgt, das schaffe ich jetzt auch allein.“

Wir müssen darüber sprechen!

Wir alle können dazu beitragen, das Thema Demenz aus dem Schatten zu holen. Informieren wir uns und sprechen wir darüber – bevor die totale Erschöpfung eintritt und Konflikte den Alltag bestimmen.

Wie eine neue Teilnehmerin gestern in unserer Gruppe sagte:

„Ich habe mich sofort wohlgefühlt, wie in einem Kokon. Endlich sind da Menschen, die genau wissen, wie es mir geht.“

Für mehr Informationen oder einem Feedback, gerne melden.

Ein schönes Wochenende und herzliche Grüße

Christine

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